Das furchtbare Ende eines grausamen Krieges...

(letzte Ergänzungen 13. Aug 1999)
 
Es ist aus, völlig aus - die Wildcards teilen das Schicksal der Angry Angels,
Opfer des gnadenlosen Kriegs. Kompromissloser und schlimmer kann eine Serie praktisch nicht enden: a point of no return.

Persönlich hatte ich damals, als ich die Serie erstmals sah (in VOX, 1996/97), gleich kein gutes Gefühl vor der Schlussepisode, denn obwohl "Für ewig treu" (Semper Fidelis) nur das Motto des Marine Corps ist, kam mir dieser Titel verdächtig vor.

Der Originaltitel der letzten Folge(n) war übrigens:

21: "And if they lay us down to Rest..."
22: "...tell our Moms we done our Best"

(Anmerkung: welcher Mutter? Zumindest Shane war ohnehin schon eine USMC-Waise!)

Es ist sicher verständlich, dass ich diesen allzudeutlichen Hinweis auf meiner Homepage nicht vor dem Ende der Wiederholungen erwähnen wollte.

Unbegreiflich ist für mich, warum manche Zuschauer und Fans sich da irgendwelche Illusionen machen. Für mich war die letzte Folge auf brutale Weise völlig glasklar, was das Schicksal von drei der fünf Wildcards betrifft:

Am ersten Tag der Operation Roundhammer sind von den Staffeln 61. und 58. nur zwei der zehn Marines zurückgekehrt, neben dem kompletten 61. sind folgende Mitglieder des 58. betroffen (KIA heisst "killed in Action"):

KIA  Captain Shane Autumn Vansen
KIA  First Lieutenant Paul Wang
KIA  First Lieutenant Vanessa Damphousse

Ein Militärinsider würde vielleicht sagen, das Kriegsglück habe das 58. an  diesem Tag verlassen. Mag sein, aber es gibt auch noch andere Gründe:

Wie man gesehen hast, mussten die Wildcards manches Mal unverrichteter Dinge in aussichtslosen Situationen den Rückzug antreten, weil der eigentliche Auftrag undurchführbar war und sie nur ihr nacktes Leben retten konnten.

In anderen Fällen haben die gemeingefährlichen Aufträge oftmals zu mehr oder weniger grossen Verlusten geführt oder man hatte tatsächlich auch Glück, wenn sie erfolgreich ausgeführt wurden (z.B. das Aufhalten der zahlenmäßig weit überlegenen Invasionsflotte im Pilotfilm, als im letzten Moment, bevor die Chigs alle vom 58. aufgrund ihrer schieren Masse abschiessen konnten, die Entsatzflotte eintraf).

Eigentlich ist das ganze noch viel brutaler, als man im ersten Moment denkt. 

M.E. sind Morgan & Wong für diese NICHT gefällige Gestaltung der Serie zu loben, die so gnadenlos den Krieg und menschliches Versagen (Aerotech) anprangert; und tatsächlich wagten es die Urheber, selbst wichtigste Charaktere so überzeugend wie möglich aufzubauen, um sie dann erbarmungslos von den Chigs töten zu lassen (Michael Pagodin, Lt.Winslow und v.a. die Drei oben genannten). So blieb die Darstellung bis zum Schluss in letzter Konsequenz und bis zum bitteren Ende absolut glaubwürdig.

Jedenfalls folgen nun ein paar Gedanken zu einigen Personen der Serie.
 

Vansen:

Tatsächlich leben noch ein paar Menschen aus dieser Familie: ihre beiden Schwestern und eine von deren Töchtern. Das war es aber auch: von den Vansens sind nun Drei (!) Offiziere des USMC "in Erfüllung ihrer Pflichten" gefallen. Vermutlich bekommen trotzdem West & Hawkes, und nicht ihre nicht allzu eng mit ihr vertrauten Schwestern diese ekelhaften gelben Formbriefe des USMC.

Trotzdem wird es die Stimmung ihrer Schwestern nicht gerade heben. Die Familie Vansen ist durch die Kriege schwer getroffen worden...

Wenn es überhaupt noch etwas zu sagen gibt, dann, dass Shane nur so ausgelitten hat, denn über ihr Kindheitstrauma wäre sie nach dem Scheitern ihrer  psychologischen Behandlung und ihren Kriegserlebnissen ("der Traum hat sich verändert") ohnehin nie mehr hinweggekommen.

Ihr und Vannessa kann man im Übrigen nur wünschen, dass das ansonsten sinnlose Zünden der kleinen Lageregelungsdüsen zum Bremsen des Absturzes wenigstens verhindert hat, dass sie durch die Reibungshitze in der Atmosphäre in ihren Raumanzuegen einfach verschmorten, so dass sie erst beim Aufprall zerschmettert wurden - das ist sicher der leichtere Tod.

Anmerkung: Zweiflern an Ihrem Tod gebe ich zu bedenken, dass Shanes Abschied von West ("Semper Fidelis, mein Freund") mit Tränen in den Augen und der Bemerkung "Vielleicht überleben wir den Aufprall irgendwie" (für einen Marine eine unglaublich negative Chanceneinschätzung!) sowie das Gespräch von West & Hawkes mit dem schwer verwundeten McQueen ("Vansen, Wang und Damphousse") für meine Begriffe auch neben rein physikalisch-raumfahrttechnischen Gründen Ihren und Vanessas Tod eindeutig beweisen.
 

West:

Vordergründig mag es so aussehen, als gäbe es für ihn ein Happy End. Ich bezweifle das stark. Zum Einen hat der Krieg (und das USMC in der Ausbildung) den 1.Lt. zu einem weitgehend anderen Menschen gemacht und zum Anderen hat auch Kylen Celina eine Veränderung erfahren durch das traumatische Erlebnis der Internierung (so nennt man das wohl korrekt) von mehr als einem Jahr durch die Chigs. Daher glaube ich nicht, dass die beiden noch miteinander glücklich werden können: vorher haben sie perfekt zusammengepasst, das kann eigentlich jetzt nicht mehr der Fall sein. Nun gut, dies wird etwas "hängengelassen".

was West noch blieb

Nach dem Verlust von drei seiner besten Kameraden (nur Hawkes, der inzwischen ein guter Freund ist, lebt noch!), insbesondere von Vansen, die fast wie eine Schwester für ihn war, und seines Bruders Neil, der von einem verantwortungslosen Greenhorn in den Tod gehetzt wurde, braucht Nathan m.E. wahrscheinlich sogar eine psychologische Betreuung. Das deutet sich jedenfalls an, als in der Schlussszene jedes Gefühl in ihm erstorben ist. Kein Wunder, denn Shane hat ihm, salopp gesagt, aber deutlich, im entscheidenden Augenblick befohlen, sie und Vanessa "verrecken zu lassen" (habt Ihr den Schweiss auf Nathans Gesicht gesehen? Die Klimanlage funktionierte bestimmt!), um auf alle Fälle die Siedler in Sicherheit bringen zu können. Nur durch einen psychologischen Trick hat Shane ("bring Kylen nach Hause") ihn in diesem Moment von einer Befehlsverweigerung (es wäre bekanntlich nicht Nathans erste gewesen) abhalten können, denn Nathan hätte sonst niemals die Beiden (v.a. Vansen nicht) im Stich gelassen. Beide wussten aber ganz genau, welche Folgen diese Entscheidung hatte.

Damit ist auch Wests Bilanz ziemlich negativ, auch wenn er (physisch) noch am Leben ist und seine Freundin auch...
 

Hawkes:

Ursprünglich war er ein Einzelgänger (in Vitro!),  dann wurde das 58. für ihn so etwas wie seine Familie. Nun sind alle tot oder verkrüppelt (McQueen) bis auf West, und auch bei West ist es fraglich, ob er ihn noch einmal wiedersieht, denn ich glaube nicht, dass die beiden nach dem de-Facto-Ende der Wildcards noch weiter ihren Dienst versehen werden (können). Besonders McQueen, der nun endgültig komplett dienstuntauglich wurde und damit seinen Lebensinhalt verlor, war wie ein Vater für Cooper, und Vansen, in die Hawkes teils verliebt war, sie zeitweise aber auch verabscheute und dann wieder als eine Art Mutterfigur betrachtete (trotz physisch praktisch gleichen Alters) ist sogar tot: "Nun verstehe ich, was sie (Shane) durchgemacht hat. Auch ich habe an einem Tag meine Eltern verloren." M.E. ist Hawkes besonders gefährdet, er könnte nun jeden Halt verlieren...
 

Wang und Damphousse:

Es wäre böse, zu sagen, jetzt sind sie wenigstens im Tod vereint. Aber es ist 
praktisch nichts übriggeblieben von dem Chicago-Bear-Fan und der hoffnungsvollen Hochenergie-Ingenieurin (Reaktortechnik). Beide hatten sich ihre Karrriere beim USMC sicher anders vorgestellt. Auch wenn es wohl wahr ist, was Vansen einmal sagte: "Marines sterben. Dafür sind sie schliesslich da." würden bis auf ein paar vereinzelte Verrückte wie 2.Lt. Kendrick (der Totengräber von Nathans Bruder) sich auch die Marines bei freier Wahl für das Leben und nicht für das Sterben entscheiden.

Man kann nur hoffen, dass es Wang beim Zerspringen des Transportbehälters auch gleich zerrissen hat, denn das ist besser, als eine explosive Dekompression (Sauerstoffverlust im Vakuum, die Lunge implodiert und man erstickt - nicht sofort!). Und Damphousse hat hoffentlich vor dem Ende das Bewusstsein nicht wiedererlangt!

Anmerkung: sollte tatsächlich jemand glauben, dass Wang überlebt haben könnte, dann muss folgendes bedacht werden: er trug keinen Raumanzug und wie wir in der Serie gesehen haben, enthält der Transportcontainer keine untereinander luftdicht abgeschlossenen Bereich, der Hüllenbruch garantiert daher Wangs Tod, falls er (s.o.) den unmittelbaren Einschlag der Chig-Jägertrümmer überlebt haben sollte.
 

McQueen:

Nun also ist er endgültig am Ende: er kann seinen Dienst nicht mehr fortsetzen und wird ähnlich wie Hawkes Probleme haben, sein Leben sinnvoll fortzuführen.

Er hat nicht nur seine (wenn auch nicht allzu engen) Kameraden vom 127., sondern bis auf Zwei auch alle seine Untergebenen im 58. verloren. Damit ist er nicht nur physisch nach Verlust eines Beins, sondern auch psychisch wohl ein ziemlicher Krüppel geworden...  ("Ich weiss, es sind nicht meine Kinder, aber...")

Anmerkung: Selbst wenn die Medizin ihm irgendeinen Ersatz für sein verlorenes Bein geben kann - für Fronteinsätze wird das Corps ihn keinesfalls mehr einteilen und kann sich wirklich jemand McQueen als Etappenoffizier und Schreibtischhengst vorstellen? Er hat schon sehr unter dem Flugverbot für Raumjäger gelitten...
 

Pagodin & Winslow:

Der eine hat es bei Kriegsausbruch nicht einmal mehr bis zum Offizierspatent gebracht, weil er schon vorher einem Chig zum Opfer fiel, und die andere wurde - nach unseren bzw. den Massstäbern irdischer Kampfpiloten - von dem sogenannten Chiggie von Richthofen nach Einsatz ihrer Fluchtkapsel kaltblütig ermordet. Nie sass Pagodin im Cockpit eines echten Hammerhead ("Wann bekommen wir unsere Maschinen?")  und nie hatte Lt. Winslow die Antischwerkraftkammer besucht...
 

Noch zwei Anmerkungen: 

Angesichts der grossen Chig-Übermacht in deren Heimatsystem war die Staffel des 61. und die im ISSCV ihrer taktischen Möglichkeiten beraubte 58. einfach nicht in der Lage, hier glimpflich davonzukommen. Ausserdem wissen die Marines, dass sie in solchen Fällen um jeden Preis das Leben von Zivilisten schützen müssen: der Preis dafür kann manchmal sehr hoch sein, wie auch in diesem Fall.

Wir kennen ihn inzwischen.
 

Nebenbei bemerkt: der Krieg ging zuende...

Insgesamt bin ich, was den Krieg angeht, etwas optimistischer: trotz aller Irrationalität werden Chigs und Menschen wohl trotz der sinnlosen, erneut  durch einen Aerotech-(Un-)Verantwortlichen ausgelösten "kleinen" Katastrophe von feindlichen Handlungen in grossem Massstab nunmehr absehen. Es steht für beide Seiten zuviel auf dem Spiel, ausserdem kennen die irdischen Militärs (durch McQueen) jetzt die Schurkereien von Aerotech und wissen daher, dass die Chigs keineswegs aus reiner Zerstörungswut angriffen... Für die Chigs ist es durch die Bedrohung von Amvil viel zu gefährlich, den Krieg fortzusetzen, und auch die terranische Seite kann den umermesslichen Blutzoll, den eine Bodeninvasion nach sich zieht, praktisch nicht (mehr) rechtfertigen, nachdem bereits erste Verhandlungen aufgenommen worden waren. Sicher werden diese nach dem für die Wildcards disaströsen "Zwischenspiel" wieder aufgenommen - besonders bitter für diese: West & Hawkes werden sich oft fragen: "Warum?"

Schließlich noch ein letztes Wort: m.E. ist neben der Wichtigkeit von Science in der Sc. Fiction auch von Bedeutung, trotz aller phantastischen Verhältnisse und Möglichkeiten glaubwürdig zu bleiben. Dazu gehört eben auch, dass Hauptpersonen nicht unverwundbar sind und in extrem gefährlichen Situationen sterben können wie alle Anderen auch...

 

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