TCPA --- eine Bedrohung nimmt immer konkretere Formen an

Anlass für diese Seite ist der kürzlich erfolgte Beitritt von VIA Technologies zu dem TCPA-Kartell sowie das Angebot bzw. die Ankündigung eines TCPA-BIOS von AMI und Phoenix Technologies. Hier will ich die konkreten Folgen beleuchten; denn immerhin besteht unter den web-clients und damit praktisch ebenso unter den Desktop-Systemen ein Monopol solcher Hardware, das selbst das der Redmond-Mafia deutlich übertrifft, wie man z.B. auf meinen Browser-Statistik-Seiten leicht nachvollziehen kann.

Die CPU: Intel, AMD, VIA oder was?

Alle drei Hersteller dieser so extrem dominierenden Prozessoren, die unter ia-32 oder ix86 bekannt sind, und zu denen alle Pentium, Celeron, Athlon, Duron und Via/Cyrix CPUs gehören, sind jetzt Mitglieder des Kartells. Obwohl bisher nur Intel konkret (im "Prescott" genannten Prozessor) den Einbau von TCPA in ihre CPUs angekündigt hat, muss man davon ausgehen, dass dies bei allen drei Herstellern in absehbarer Zeit stets der Fall sein wird. Damit ist dann diese de facto nicht beeinflussbare CPU (ohne dass sie gar nicht mehr läuft) der Herr über jeden PC: sie kann alleine entscheiden, ob ihr das BIOS, das sie vorfindet, genehm ist, und z.B. bei einem OpenBIOS den Systemstart verhindern...

Das BIOS: AMI, Phoenix usw....

Derzeit sind noch nicht alle BIOS-Hersteller dabei, soweit man weiß, aber mit Phoenix dafür einer der Größten: angesichts der Gefahr für die BIOS-Hersteller, dass irgendwann ihres von einer TCPA-CPU (auch TPM-CPU genannt) nicht mehr akzeptiert wird, werden alle anderen auch gezwungen sein, diese Funktion einzubauen, damit die Prozessorhersteller sie gewähren lassen. Die Bedingung wird einfach sein: nur TCPA-konforme Betriebssysteme darf ein solches BIOS starten, also z.B. kein selbstkompiliertes community-GNU/Linux oder BSD. Natürlich wird in den ersten Jahren all das abschaltbar sein (sonst würden die aktuellen Rechner schon gleich kaum mehr funktionieren), so dass die User anfangs diese Einschränkung nicht hinnehmen müssen, aber das Endziel ist ganz klar der Zwang, ohne Ausweichmöglichkeit diesen Weg beim Booten nehmen zu müssen: irgendwann wird es nicht mehr abschaltbar sein... Da diese Maßnahmen bei der derzeitigen Rechtslage zumindest in Europa hochgradig illegal sind, können wir uns auf bereits laufende und weitere Verfassungs widrige Gesetzesvorhaben gefasst machen, die von der TCPA/DRM-Lobby initiiert wurden und werden.

Das Betriebssystem: Palladium/Longhorn o.ä und TCPA-Linux

Microsoft träumt schon lange davon: jede Alternative ausschalten und alle Software, die sie anbieten, sicher und zu den bekannten weit überteuerten Preisen verkaufen zu können (die 85 % Gewinnspanne hätte ein echtes Anti-Kartell-Urteil durch zwangsverordnete Preissenkung drastisch reduziert). Da nur ein zertifiertes M§-OS (wie auch immer es genannt wird, offenbar versucht man, Verwirrung zu stiften) noch vom BIOS akzeptiert wird, wird keine Kopie ohne gekaufte Lizenz mehr funktionieren. Und wer Linux einsetzt bzw. benutzen möchte, darf sich an IBM oder HP wenden, denn nur die werden dort lauffähiges Linux mit den nötigen Zertifikaten anbieten, das natürlich so läuft, wie die beiden großen TCPA-Mitglieder sich das vorstellen, nicht aber nach dem Wunsch der Anwender. Damit werden ähnliche, aufgrund der größeren Sicherheit des OS noch erheblich schwerer zu umgehende Zwangsmaßnahmen vom OS durchgesetzt wie unter den M§-OSs...

Die Anwendungen: Eigene oder Third-Party-Produkte?

Nun kommen wir zum Ende der "Chain of Control", die das sogenannte "Trusted Computing" in Wirklichkeit anstrebt: nur Anwendungen, die vom OS akzeptiert werden, werden noch funktionieren; diese werden nach Belieben DRM-Maßnahmen durchsetzen, ohne dass der Nutzer bei dieser perfiden Kette von Kontrollsystemen noch etwas dagegen unternehmen kann. Der Fantasie der Herren über die Software, wie man nach Belieben Geld scheffeln kann, ist daher keine Grenze mehr gesetzt, für die User heißt das: Zahlen ohne Ende oder völliger Verzicht. Und natürlich wird kein Browser außer dem M§IE noch unter einem solchen Windoof funktionieren (bzw. ein Zertifikat erhalten), insbesondere kein Intimfeind-Browser wie Opera oder OpenSource-Browser wie Mozilla, und das gilt für alle Software. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen (wenn die Redmond-Bande dafür selbst nichts anbietet), werden Drittanbieter keine Software mehr dort laufen lassen können, da sie einfach kein Zertifikat erhalten werden.

Ähnlich werden IBM und HP bestimmen, welcher Browser unter ihrem TCPA-Linux zu benutzen ist, da die anderen auch kein Zertifikat erhalten werden, usw., usw....

Auswege?

Mich schüttelt es, wenn ich mir vor Augen halte, was für ein Horroszenario ich hier schildere --- leider ist es keine Science Fiction, sondern absolut machbar und zweifellos angestrebt von dem TCPA-Kartell und ihren Hintermännern aus der Medienindustrie (DRM); die Voraussetzungen werden soeben geschaffen.

D.h. wir werden in absehbarer Zeit keine PCs des heutigen Zuschnitts mehr kaufen dürfen bzw. können, wenn uns die Freiheit wirklich etwas Wert ist. Als einzige praktikable Alternativen bleiben (vorerst!) Apple und Sun, die sich gegen solche Methoden ausgesprochen haben. Das Restrisiko auf mittlere Sicht bei Apple besteht darin, dass Motorola und IBM TCPA-Mitglieder sind, früher oder später auch in die CPUs von Macs das TPM integieren werden und damit Druck auf Apple ausüben können, auch TCPA zu unterstützen. Ansonsten besteht das allgemeine Restrisiko darin, dass Apple und Sun US-Firmen sind, die durch illegale Gesetze wie DCMA (genauer gesagt: Verfassungs widrige Gesetze) u.U. gezwungen werden könnten, das Verfahren ebenfalls einzubauen. Ferner sind auch in Europa bereits Verfassungs widrige Gesetzesvorhaben dieser Art am Laufen (Abschaffung des Rechts auf Kopieen u.ä.).

M.E. ermächtigt die unzulässige Einschränkung unserer Grundrechte mit dem einzigen Ziel der Profitmaximierung multinationaler Megakonzerne uns dazu, dass wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren dürfen. Niemand darf unsere Grundrechte auf diese Weise einschränken. Wir können es einfach nicht zulassen, denn sonst enden wir in einem totalitären System, in dem Großkonzerne nicht nur über erlaubte Software und Inhalte befinden, sondern sich auch zu Herren über Leben und Tod aufschwingen, da sie die gesamte Politik, Polizei und Justiz sowie die Medien mit ihren Mitteln vollständig kontrollieren können.


 

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Bemerkungen an: stefan.urbat@apastron.lb.shuttle.de

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