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Las Vegas (Nevada)

Der mittelgroße Flughafen zeugt durch seinen hektischen Betrieb am deutlichsten vom ständigen Kommen und Gehen. Um den Gesamteindruck vorwegzunehmen: mir kam das Ganze vor wie eine große Heilanstalt für harmlose, aber psychisch angeknackste Menschen mit offenem Vollzug. Nur daß in Las Vegas nicht geheilt, sondern zugrunde gerichtet wird, wer krank ist. Man kann sich kaum vorstellen, daß die zahlreichen riesigen Casino-Hotels zumindest in der Saison alle voll ausgebucht sind - die Kapazität an Hotelbetten ist tatsächlich enorm. Eine Kleiderordnung wie in europäischen Spielbanken gibt es nicht; nur die Abendveranstaltungen haben gewisse Mindestanforderungen an die äußere Aufmachung, die aber nicht sehr streng sind (keine Anzüge nötig). Dafür liefen die Kellnerinnen zumeist eher spärlich bekleidet herum - ohne das gleichzusetzen, fällt mir gerade ein, daß in den USA Nevada der einzige Bundesstaat ist, in dem Prostitution nicht verboten ist. Überhaupt ist Vegas auch in dieser Hinsicht eine wahre Lasterhöhle; soviele i.a. in den USA als sittenwidrig geltende kommerzielle Angebote gibt es sonst wohl nur noch in New York, San Francisco und evtl. Los Angeles (die einzige "verdächtige" Stadt darunter, die ich nicht gesehen habe, aber man denke an Hollywood), aber selbst in diesen Städten ist Prostitution illegal (vgl. den "Fall Hugh Grant"). Obwohl monströs (aber i.a. nicht direkt Wolkenkratzer, sondern eher massive Bauten), sind ein paar der Hotels dort, ich möchte sagen, baulich interessant. V.a. das Luxor ist hier zu nennen, das in 1:1 Größe einer gewissen ägyptischen Pyramide namens Cheops nachempfunden ist, allerdings von schwarzem Glas nach außen abgeschlossen wird. Innen liegen die Hotelzimmer an den Innenwänden der Pyramidenseiten, so daß deren Wegegeländer vor den Zimmern über die darunterliegenden überhängen! Auch einen weißen Tiger (nicht untypisch: faulenzend) im Mirage der deutschen Einwanderer Siegfried & Roy haben wir gesehen. Ansonsten dominiert im "Erdgeschoß" der Casino-Hotels der auf längere Zeit für meine Begriffe unerträgliche Lärm der einarmigen Banditen die Akustik - kein Wunder, daß die armen Leute auf Dauer meschugge werden. Mit unbeschreiblichen Mengen von Quarters (25 Cent-Münzen, die Münzen mit dem größten Wert) werden diese Automaten gefüttert. Deswegen gibt es in der Nähe eine Prägeanstalt der amerikanischen Notenbank für Geldmünzen, damit der Nachschubweg kurz ist und die Nachfrage gedeckt werden kann. Natürlich gibt es auch noch eher klassische Glücksspiele wie Roulette, Poker (mit offenbar zu Ungunsten der Kunden veränderten Regeln, da die Bank sonst keine Chance hätte, sie auszunehmen) und Craps, ein primitives amerikanisches Spiel mit zwei Würfeln, bei dem eine frühere Analyse eine Chancenverteilung von 56,7 : 43,3 von Bank zu Spieler ergab, was für meine Begriffe reichlich unfair ist (zum Vergleich: die einarmigen Banditen schütten ca. 97 bis 98 % des eingeworfenen Geldes wieder als Gewinne aus, die Edelhotels dort leben also von den restlichen 2 bis 3 % mehr als gut!). Einmal haben mein Freund, seine Frau und ich an einem nicht so typischen Spiel teilgenommen: für jeweils 3 $ fuhren ein (zu) kurzes Indy-Car-Rennen in nachgeahmten Cockpits mit Rütteleinrichtung; aber das Rennen war vorbei, bevor wir uns voll an die Steuerung und das Oval gewöhnen konnten. Trotzdem war es recht interessant. Schließlich haben wir noch eine Show namens Winning Folies (nach dem Pariser Vorbild Folies Bergie oder so ähnlich, sorry, ich kann kein französich) besucht, in dieser als harmlos bezeichneten waren erstaunlicherweise ein paar Oben-Ohne-Einlagen enthalten (wie oben angedeutet, ist dies für Las Vegas-Verhältnisse wirklich harmlos, für fast alle anderen US-Städte dagegen schon ziemlich skandalös). Obwohl solche Shows nicht mein Fall sind, fand ich sie ganz gut gemacht; sie besteht aus Gesangs- und Tanznummern. Das Essen ist noch mit das Beste in Vegas: man bekommt recht preiswert gute Buffets, v.a. das allerdings etwas teurere (absolut gesehen eher normale) im Baileys war dabei wirklich exquisit. Das Resümee fällt aber (s.o.) trotzdem eindeutig aus: insgesamt hat mir Las Vegas von allem während meines US-Besuchs mit Abstand am wenigsten gefallen, es war eigentlich der einzige Ort, den ich ganz gerne relativ schnell wieder verlassen habe. 
 
 

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Fragen, Anmerkungen etc. an:  stefan.urbat@apastron.lb.shuttle.de

(URL:  http://www.lb.shuttle.de/apastron/lasVegas.htm)