Die Flüge (Stand 1997)

Aus Umweltschutzsicht ist es erschreckend, wie billig heutzutage (Linien-)fernflüge mit renommierten Fluggesellschaften sind: Für den "Gabelflug" Stuttgart-San Francisco und New York-Stuttgart habe ich nur 830 DM bezahlen müssen (Stuttgart-San Francisco und zurück ist anscheinend schon ab ca. 700 DM z.B. bei British Airways zu haben, wenn man in der Nebensaison [Oktober bis März] und wenigstens drei Monate im voraus bucht); dieses Ticket habe ich bei der Air France (AF) bekommen. 

Den Flug San-Francisco-New York buchte ich für 301 $ (ca. 550 DM) bei United Airlines (UA, Lufthansa-Kooperationspartner); man kann ihn bei frühzeitiger Buchung ab 180 $ bekommen (ca. 300 DM), weiß bei der (Bilig-)Fluggesellschaft Tower Air aber nie sicher, ob sie an einem bestimmten Tag auch wirklich fliegt. Ironischerweise ist es oft billiger, Hin- und Rückflug zu buchen und den Rückflug verfallen zu lassen, als eine Einweg-Passage zu kaufen. So war es auch in diesem Fall. 

Den Flug San Francisco-Las Vegas und zurück bekommt man bereits für ca. 120 $ (ca. 200 DM), für etwa denselben Preis kann man ihn auch von Oakland statt San Francisco (andere Seite der San Francisco-Bucht) buchen. Wir konnten diesen Tarif nutzen (United Airlines = UA). 

Stuttgart-Echterdingen -> Paris Charles des Gaulles 2 (AF)

Maschine: Boeing 737-300 

Das "Standard-Arbeitspferd" für Kurzstreckenflüge (Boeing hat von allen Typen der 737 weltweit bereits über 2000 Stück verkauft) war es, mit dem ich meinen ersten Flug überhaupt erlebte. Da das Flugzeug halbleer war, fühlte ich mich auch nicht beengt und hatte einen Fensterplatz hinter den Tragflächen. Kaum betankt und halb leer hob das Flugzeug schon nach sehr kurzem "Anlauf" ab - ein etwas merkwürdiges Gefühl und erstaunlich, wie schnell ein Düsenverkehrsflugzeug steigt (obwohl mir die Steigraten numerisch bekannt waren). Aber es hat mir auf Anhieb gefallen und Höhenangst hatte ich auch keine - das Gefühl ist einfach anders, als z.B. von einem hohen Gebäude herunterzusehen. Ein eindrucksvoller Anblick ist es auf jeden Fall, die Landschaft aus einer Höhe von 9 bis 11 km zu sehen. Vor der Landung war es mir dann ein wenig unwohl, aber auch dies war recht undramatisch. Da es noch dunkel war und dann erst dämmerte, konnte ich allerdings noch nicht allzuviel sehen; Charles des Gaulles 2 liegt außerdem außerhalb von Paris. 

Paris Charles des Gaulles 2 -> San Francisco International (AF)

Maschine: Airbus A 340-300 

Mit einem der modernsten Langstreckenverkehrsflugzeuge der Welt (natürlich vierstrahlig, für solche Flugzeuge sind mindestens drei Triebwerke notwendig) hatte ich den längsten (11 Stunden Flugzeit) und eindrucksvollsten Flug meiner Reise. Die voll beladene und voll betankte Maschine brauchte natürlich deutlich mehr Zeit und Weg, um abzuheben, als die meines Zubringerflugs. Auch innerlich gefiel mir dieser Airbus besser als das vorige Flugzeug und am besten von allen Maschinen, mit denen ich geflogen bin. Von meinem Fensterplatz hinter den Tragflächen (hatte ich bei fast allen Flügen) konnte ich u.a. auch den großen Monitor sehen, auf dem z.B. in regelmäßigen Abständen gezeigt wird, wie die Flugroute ist, wo sich das Flugzeug auf dieser gerade befindet und welche Städte gerade in der Nähe sind (kann man aber nur selten erkennen, offenbar werden diese i.a. in größerer Entfernung passiert). Auch die aktuellen Daten wie Flughöhe, Reisegeschwindigkeit (gegenüber dem Boden) und Lufttemperatur außerhalb des Flugzeugs wurden dort regelmäßig eingblendet. Die beiden französischen Filme, die zwischendurch gezeigt wurden (nach dem spärlichen Mittagessen), waren für mich auch wegen des französischen Originaltons uninteressant (kann diese Sprache nicht verstehen).

Die Route verlief von Paris aus über den Ärmelkanal, die britischen Inseln, Island, Grönland und Kanada bis zur nordamerikanischen Westküste, an der das Flugzeug dann, u.a. Seattle passierend (Boeing-Werke!) nach Süden bis San Francisco entlang flog. Wegen Bewölkung entging mir dabei allerdings die Aussicht auf den Ärmelkanal, Grönland und die Rocky Mountains. Außerdem lag über Grönland in der Flughöhe von dort ca. 10500 m eine Turbulenzzone, die den Flugkapitän zur Aufforderung zum Anschnallen veranlaßte. Wir wurden zeitweise etwas durchgeschüttelt, ein paar mal sackte die Maschine auch ein Stück durch (Fahrstuhl-Abwärts-Gefühl). Es ist erstaunlich, wie deutlich man sieht, daß die Tragflächen dabei wippen (mindestens einen Meter auf und ab). Die anderen überflogenen Gebiete konnte ich dagegen gut studieren, denn auf dieser Ost-West-Route blieb es die ganze Zeit hellichter Tag und außerdem war der Anblick von Wolken von oben und von "innen" auch sehr interessant. Besonders eindrucksvoll waren das Eismeer und die vereiste bzw. schneebedeckte Landschaft im nördlichen Kanada. Ansonsten sehen Wälder aus dieser Höhe kaum anders aus als wenig dichter Grasbewuchs für Fußgänger; nur im Fernglas kann man die Bäume als solche deutlich erkennen. 

Obwohl ich auf der "falschen" Seite saß (die Golden-Gate-Bridge konnte man nur von der anderen Fensterfront sehen), war der Anflug auf San Francisco sehr eindrucksvoll. Weil das Flugzeug von Norden kam, der Anflug auf den dortigen Flughafen aber von Süden gemacht werden muß, war der Pilot gezwungen, über der San Francisco Bay einen 180°-Turn zu fliegen, wobei man einiges von San Francisco sehen konnte und außerdem an dem Landebahnendoppelkreuz des Flughafens zunächst vorbeiflog. Der Anflug ist spektakulär, weil die Landebahn bereits wenige Meter hinter dem Wasser der Bucht beginnt und man so noch in einer Höhe von ca. 50 Metern über dem Wasser ist und erst in letzten Moment vor dem Aufsetzen seitlich das Land und damit auch schon die Landebahn erkennen kann. 

Natürlich war das Bodenpersonal der AF in Paris im Streik, weshalb erstens nur "Notrationen" für die Passagiere ausgegeben wurden, was bei einem Nonstop-Flug über 11 Stunden schon störend ist, und außerdem wahrscheinlich auch ein Grund für die Verspätung von einer Dreiviertelstunde war, mit der das Flugzeug startete und leider auch in Frisco landete. Ansonsten war der Service ok, es wurde auch ausführlich auf dem oben erwähnten Monitor gezeigt, wie die beiden Visumformulare der US-Behörden auszufüllen sind. 

San Francisco International -> Las Vegas (UA)

Maschine: Boeing 737-300 

Hier hatte ich keinen Fensterplatz und konnte daher nicht viel sehen. Auch sonst bot dieser Flug nicht viel erwähnenswertes; die Innenausstattung ist natürlich etwas anders als bei der AF und umfaßt u.a. ein bordeigenes Telefonsystem mit einem Apparat pro Sitzgruppe, mit dem man mit einer der handelsüblichen Kreditkarten (VISA, American Express etc.) direkt telefonieren kann - natürlich zu astronomischen Gebühren. Außerdem schaltete der Pilot den Sprechfunkverkehr mit den Fluglotsen auf einen der Kanäle der Audioanlage, so daß man bei Interesse diesen überall auf der Welt in Englisch geführten per Kopfhörer verfolgen konnte. Von dieser Möglichkeit habe ich dann auch Gebrauch gemacht. 

Las Vegas -> San Francisco International (UA)

Maschine: Boeing 737-300 

Im Unterschied zum Hinflug hatte diese Maschine modernere und leisere Triebwerke und ich hatte wieder einen Fensterplatz hinter den Tragflächen. So konnte ich u.a. die Sierra Nevada und auch sonst noch einiges von der weiten, offenen Landschaft mit relativ wenigen Bäumen in Kalifornien und Nevada sehen. Auch dieser Flug fand wie der Hinflug während der Mittagszeit statt. 

San Francisco International -> New York John F. Kennedy (UA) 

Maschine: Boeing 767-300 

Dieses Flugzeug ist z.Zt. das modernste der Boeing-Flotte. Der Start erfolgte Mittags und wegen der West-Ost-Flugrichtung die Landung in New York nach ca. 4,5 Stunden erst abends (ca. 20 Uhr EST): es sind immerhin drei Stunden Zeitunterschied zwischen West- und Ostküste der USA. Auf diesem Flug konnte ich einen regelrechten "Querschnitt" der USA sehen, unterschiedlichste Landschaften mit subtropischem bis warm-gemäßigtem Klima, obwohl es gegen Ende natürlich relativ schnell dunkel wurde. Die Landung in New York zeigte ein Lichtermeer, dessen genaue Herkunft ich jedoch nicht erkennen konnte (New Jersey, Teile von New York). Auf dem Flug wurde auch der Film "Star Trek VII - Erster Kontakt" gezeigt, in dem erstmals nur die Crew der neuen Enterprise aus "Star Trek - The Next Generation" auftritt. Seltsamerweise konnte ich keinen Kopfhörer am Platz finden und ließ mir einen bringen. Die Schauspieler sprechen in dem Film ein sehr sauberes Englisch, das gut zu verstehen ist. Diesen Film fand ich nicht schlecht. 

New York John F.Kennedy -> Paris Charles des Gaulles 2 (AF) 

Maschine: Boeing 747-200 (Jumbo-Jet) 

Dies ist einer der älteren Jumbo-Jets. Kein Wunder, daß bei dem hohen Anschaffungspreise dieser Großraumflugzeuge diese Maschinen auch bei Fluggesellschaften wie der AF nicht so schnell durch neuere ersetzt werden. Der Unterschied zu den anderen Flügen war schon beim Einchecken zu spüren, das aufgrund der großen Zahl von Passagieren und der Verzögerung des vorhergehenden Flugs um über zwei Stunden kein Ende zu nehmen schien. Diese Verzögerung hatte für mich in Paris Folgen (s.u.). Die Strecke New York - Paris ist eine der meistbeflogenen Flugverkehrsrouten der Welt, auf ihr kommen fast ausnahmslos Jumbo Jets zum Einsatz (und für die Reichen, die es besonders eilig haben, die Concorde, die ich auf dem Pariser Flughafen zweimal sehen konnte, darunter einmal beim Anrollen, nicht aber beim abheben). Die Inneneinrichtung machte verständlicherweise auch nicht den allerneuesten Eindruck und es war relativ eng sowohl zum Sitzen (Fenster: jeweils drei Sitze, Mitte vier Sitze) als auch für das Handgepäck. Hier hatte ich aufgrund früher Platzreservierung wiederum einen Fensterplatz, etwa an der Hinterkante der linken Tragfläche. Dieser Flug begann nachts mit einer dreiviertel Stunde Verspätung kurz vor Mitternacht EST und wegen der verbliebenen sechs Stunden Differenz zur MEZ erfolgte die Landung nach ca. sieben Stunden Flug gegen Mittag des nächsten Tages. Trotzdem konnte ich den kurzen Teil des Flugs an der amerikanischen Ostküste sowie den Flug über den "großen Teich" recht gut verfolgen (der Mond leistete dabei etwas Schützenhilfe) und diesmal waren auch die britischen Inseln (am hellichten Tag) und der Ärmelkanal gut zu erkennen; auf letzterem herrschte der erwartete starke Schiffsverkehr. Nachts hatte ich sogar durch die Fenster des Flugzeugs den Kometen Hale-Bopp sehen können, der zu dieser Zeit etwa seine größte Helligkeit hatte. Auch auf dem Rückflug konnte ich teilweise noch Eis auf dem Atlantik sehen. Diesmal gab es auch ein richtiges französisches Menü mit der Möglichkeit, zwischen zwei Hauptgerichten zu wählen: Geröstete Ente in Orangensauce oder (meine Wahl) Hähnchenschenkel mit Kroketten und Babykarotten. Die Filme waren für mich nicht sehr interessant, dagegen habe ich auch dieses Mal die Flugdaten mit Interesse verfolgt. Das Geräuschniveau beim Flug war enorm, das Flugzeug hat von allen, mit denen ich geflogen bin, auch mit Abstand den größten Schub (ca. 1000 kN im Vergleich zur A340-300 mit ca. 550 kN). 

Paris Charles des Gaulles 2 -> Stuttgart-Echterdingen (AF) 

Maschine: Airbus A320-200 

Dieses moderne und deutlich geräumigere Kurzstreckenflugzeug als die 737 gefiel mir auch recht gut; es war nur etwa ein Drittel voll (kein Wunder wohl am Abend des Karfreitag, aber auf dieser Route war auch Sonntag früh morgens auf dem Hinflug das Flugzeug nur halbvoll, s. a). Das ganze Problem war nur, daß mein eigentlicher Anschlußflug - leider - pünklich war und somit die von New York her eingebüßte Dreiviertelstunde (s.o.) die gesamte Umsteigezeit auf Null reduziert hatte. Daher war das Boarding schon abgeschlossen, als ich endlich im Flughafengebäude war. Schlimmer noch war, daß der nächste Flug nach Stuttgart erst sechs Stunden später ging (der übernächste nur zwei Stunden danach). So vertrieb ich mir die Zeit mit Lesen sowie einem von der AF aufgrund deren Verschuldens dieser Zwangspause kostenlos spendierten Mittagessen. Dabei aß ich ein Thunfischsandwich, das zwar ganz gut schmeckte, mir aber nicht klar machte, warum viele "Feinschmecker" so versessen auf Thunfisch sind. Letzteres ist übrigens für die Thunfische ein echtes Problem, da sie wie viele andere Fischarten durch Industriefischerei großen Stils im Bestand gefährdet werden. 


 

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