"Amerikanischer Alltag", Essen etc. 

Dies ist ein Sammelsurium von Dingen, die mir auffielen, die eigentlich in keinen der anderen Teile richtig hineinpassen.

Altbackenes Amerika

Einfach unglaublich ist die Primitivität mancher Alltagsgeräte - wenigstens an deutschen Standards gemessen. Z.B. bringen es die typischen heutigen US-Waschmaschinen zwar fertig, selbst Jeans bei mehrmaligem Waschen in ihre Bestandteile zu zerlegen - sie brauchen für einen Waschgang nur zwanzig Minuten! -, aber richtig sauber wird die Wäsche dennoch nicht. Deswegen brachte ich meinem Freund und seiner Frau in Berkeley, einer durchaus gehobenen Wohngegend mit vielen für die Bay Area typischen viktorianischen Holzhäusern, auch ein spezielles Waschmittel mit, das rein chemisch ohne Wasser zu reinigen vermag. Beim Anblick der chaotisch "verlegten" Telephondrähte in der Wohnung meines Freundes, die er sogar noch etwas ordentlicher angeordnet hatte, bekäme jeder deutsche Elektriker Schreikrämpfe - diese hängen nämlich einfach herum und sind ideale Stolperdrähte. Die Jalousetten sind geradezu "göttlich": sie verbiegen sich schon, "wenn man sie nur scharf ansieht", wie mein Freund mir erklärte. In der Tat hatte meine erste und einzige versehentliche, aber sanfte Berührung sofort eine Deformation einer Lamelle zur Folge. Daß die Fenster nicht sehr gut schließen, ist wohl auf das dort recht warme Klima zurückzuführen und daher recht unproblematisch - Schnee ist in Kalifornien außer in den Bergen außerordentlich selten. 

Über das Essen

Einheimische Restaurants bieten in der Regel nur Steaks mit nicht sehr umwerfenden Beilagen an oder nur das von McDonalds her berüchtigte Fast Food - Hamburger und ähnliche Kunststoffnahrung. Immerhin sind die Pommes Frites - hier "French Fries" genannt - von McDonalds überall auf der Welt gut und eigentlich das einzige genießbare dort. Ansonsten dominieren die Aisaten, v.a. die Chinesen, sowie v.a. in den südlichen Bundesstaaten auch die Mexikaner die "kulinarische Szene". So haben wir häufig chinesisch gegessen. Ein noch traurigeres Kapitel sind die Backwaren in den Staaten: die überall anzutreffenden Doughnuts (eine Art ringförmige Krapfen - mathematisch ein Torus) trafen bei uns nur auf begrenzte Begeisterung, die Muffins - ähneln Croissants - können es mit europäischen nicht aufnehmen, nur die "Berliner" (in New York Danish Muffin genannt) fand ich ganz ordentlich. Noch schlimmer ist es bei Brötchen: ohne feste Kruste sind es lappige Teigklumpen, die nach nichts schmecken, ähnliches gilt für das Brot, das man obendrein wochenlang offen herumliegen lassen kann, ohne daß sich sein Erscheinungsbild erkennbar oder vom Geschmack her ändert - die US-Boys müssen fürchterliche Konservierungsstoffe hinzugeben. Die sogennanten Käseschnitten erinnern nur schwach an echten Käsekuchen - kurzum auf diesen und die meisten anderen oben erwähnten "Genüsse" kann man getrost verzichten. Mein Freund und seine Frau hatten in Berkeley das Glück, einen akzeptablen italienischen Bäcker in der Nähe zu haben, bei dem Brot eine echte Kruste hat und auch sonst eher europäisch geartet ist. 
 

Straßenverkehr in den Staaten

Es gibt einige auffallende Unterschiede zu unserem Straßenverkehr, die ich erwähnenswert finde: 

Sinnvollerweise sind Ampeln immer auf der der Haltelinie gegenüberliegenden Seite der Kreuzung angebracht, so daß auch die Fahrer der direkt vorne stehenden Fahrzeuge die Lichtzeichen immer gut sehen können. Wenn nichts anderes angegeben ist, dann darf an einer roten Ampel wie bei uns, wenn ein grüner Pfeil angebracht ist, nach Halt vorsichtig nach rechts abgebogen werden. Fußgängerampeln zeigen nicht nur in rot und statt grün in Weiß, ob mann gerade gehen darf, es ist teilweise auch in englisch als Don`t Walk bzw. Walk statt mit einem Männchen gekennzeichnet. Außerdem beginn das rote Licht zu blinken, wenn die "Weißphase" beendet ist und demnächst die "Rotphase" beginnt. 

"Rechts überholen!"

Bei mehreren Spuren in einer Richtung ist jedem freigestellt, welche Spur er benutzt - außer bei Abbiegespuren und sogennanten Passing Lanes, kurzen Stücken mit zweiter Spur, bei denen Rechtsfahrgebot herrscht. Daher ist konsequenterweise auch das Überholen auf der rechten Spur völlig in Ordnung - das habe ich auch einmal gemacht, als rechts Platz war und mir der PKW links zu langsam fuhr. 

Verbote und Kontrollen, u.a. im "Wilden Westen"...

Die Fahrbahnmarkierungen in der Mitte sind orange statt weiß und durchgezogene Linien dürfen überfahren werden, man darf letzteres aber nicht zum Überholen tun (Überfahren von durchgezogenen Linien ist erst bei vier davon nebeneinander verboten - es gibt keine Sperrflächen deutscher Art - in manchen Bundesstaaten auch bei zwei nebeneinander bereits nicht gestattet). Oftmals findet man in den Städten eine von durchgezogenen Linien auf beiden Seiten begrenzte mittlere Spur: diese dient nur zum Abbiegen, so daß der nachfolgende Verkehr durch Abbieger nicht behindert wird. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden nunmehr zwischen den Bundesstaaten unterschiedlich gehandhabt (Anschnallpflicht herrscht auch nicht überall), auf den Interstates (= Bundesautobahnen), die wir befuhren, herrschte außerhalb spezieller Zonen stets eine Höchstbeschränkung von 75 mph (amerikanische Landmeilen pro Stunde, eine solche Meile sind ca. 1609,3m), was etwa 120 km/h entspricht. Die Beschränkungen werden sehr scharf überwacht und dementsprechend halten sich auch fast alle daran. Gut ist, daß mit einem Schild "Reduced Speed ahead" die Senkung der erlaubten Geschwindigkeit rechtzeitig angekündigt wird - in der BRD hat man oft keine Chance, ohne gefährliche Vollbremsung auf Höhe des Schilds die erlaubte Geschwindigkeit zu erreichen. Die Trucks fahren übrigens nicht langsamer als die PKW! Offenbar sind die US-Trucks für höhere Geschwindigkeiten gebaut als europäische LKW, ihre Auspuffanlagen sind oft auch geradezu furchterregend im Erscheinungsbild. 

Der amerikanische Schilderwald

Einige Straßenschilder sind mehr oder weniger vertraut (z.B. das ebenfalls schärfer als bei uns überwachte Stop-Schild), oftmals aber sind auch andere zu sehen, deren Bedeutung aber gut erkennbar ist (z.B. "Einmündung von rechts", ist oft hilfreich) oder in Klartext auf dem Schild - natürlich nur in Englisch - steht. Allerdings ist das Lesen solcher Schilder, wenn man ihre Bedeutung nicht sofort am Textmuster erkennt, etwas zeitaufwendig. 

Der noch immer etwas wilde Westen

Eine kalifornische Straßenverkehrsregel untersagt begreiflicherweise das Schießen mit Feuerwaffen aus dem fahrenden Auto. Weniger gut verständlich ist, daß man aus einem - auch an einer roten Ampel - STEHENDEN Auto heraus feuern darf, ohne eine Straßenverkehrsregel zu verletzen: d.h. man bleibt straffrei, wenn man nichts von Bedeutung bei der Ballerei trifft. In der Bay Area sind die Gebrauchtwagenpreise übrigens exorbitant: für einen ziemlich schlecht bis gar nicht gewarteten Renault (Modell nur für den US-Markt) mußte mein Freund 6000 Dollar berappen - s.a.u. Es gibt eben keine regelmäßige Fahrzeugüberprüfung wie bei uns durch den TÜV. Entweder fährt man in den USA mit dem (Miet-)Auto oder man fliegt: die Bahn sowie Schiffe sind dort ausgesprochene Minderheitenverkehrsmittel. Die Bahn entspricht auch in keiner Weise europäischen Standards, sie ist langsam und unzuverlässig. 

Tiere in den USA

Die Fauna unterscheidet sich schon verschiedentlich von unseren. Allgemein ist mir aufgefallen, daß man keine Stadttauben sieht; dafür treiben sich auf den meisten Grünflächen die sogenannten Squirrels herum - Grauhörnchen, die deutlich größer sind als unsere Eichhörnchen, nicht gerade ängstlich sind und possierlich aussehen; daher habe ich öfter gesehen, daß ein Schild mit der Aufschrift "Don`t feed or play with Squirrels" die Passanten von eben diesem Unsinn abhalten soll. Im Übrigen scheint es dort mehr Kolkraben als Aaskrähen zu geben. 

Fernsehen in den Staaten

Besonders auffällige Unterschiede zu Deutschland konnte ich in den Motels und Hotels nicht feststellen - es gibt lediglich mehr Programme und ESPN ähnelt z.B. in der Machart extrem stark Eurosport. Es kann allerdings sein, daß mehr Serien und weniger Spielfilme gezeigt werden, aber dafür möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Aber die Sensationslust ist in der Nachrichtenberichterstattung schon spürbar, die uns Europäern i.a. so abstoßend erscheint. Einmal konnte ich direkt die bekannte Prüderie der Amerikaner erleben: als ich eine etwas merkwürdige TV-Filmszene näher inspizierte, bemerkte ich, daß bei einer offenbar nackten Frau im Bild Brust und Unterleib wie durch eine beschlagene Scheibe unkenntlich gemacht waren. Dies ist wohl die TV-Version der "Sexzensur", die in Hollywood so aussieht, daß alle entsprechenden Szenen, die man z.B. in Europa im Kino unzensiert sehen kann, bei der Vorführung in den USA herausgeschnitten sind. Im Fernsehen zeigen wahrscheinlich nur New Yorker Sender innerhalb New Yorks solches unzensiert - diese Stadt ist für ihre große Liberalität bekannt. 

Das USMC - eine sehr amerikanische Organisation

Außerhalb der USA sind militärische Streitkräfte stets in drei Bereiche unterteilt: die Armee, die Marine und die Luftwaffe. Einzig die USA leisten sich noch eine vierte Teilstreitkraft: das Marine Corps (USMC). Ursprünglich waren Marines die Infanteristen der Marine bzw. Navy, v.a. für Landeunternehmen vorgesehen. Daraus hat sich in den USA nun das Corps entwickelt, bestehend aus ca. 200000 Männern - und Frauen. Diese betrachten sich nicht nur selbst als die Elitestreitmacht der USA und besitzen u.a. auch eigene Kampfhubschrauber und Jagdflugzeuge (z.B. F-18 Hornet). Unterstrichen wird dieser Eliteanspruch auch durch einen Bericht, den ich im amerikanischen Sender NBC sah.

Frauen als Mitglieder der "Teufelshunde"

(Bezeichnung, die die deutsche Wehrmacht im 1. Weltkrieg für die unerschrockenen US Marines prägte, englisch einfach "devil dogs")

Neuerdings werden nämlich auch Frauen auf dieselbe, reizende Art ausgebildet, die im Korps für Kampfeinheiten üblich ist: zunächst gibt es eine sechswöchige Grundausbildung, in der dieselbe Zeiteinteilung gilt, wie für alle Mitglieder des USMC: jeden Tag 12 Stunden Dienst, 8 Stunden Schlaf, drei Stunden für Mahlzeiten und eine Stunde Freizeit. Bei den recht häufigen Einsätzen der Marines ändern sich diese Zeiten nicht unbedingt zu Gunsten der Zeiten für Schlaf, Essen und Freizeit. Der Bericht zeigte nun den Abschlußtest, der darüber entscheidet, ob die Anwärter ins Corps aufgenommen werden: am ersten Tag werden die Rekruten um 2:00 nachts geweckt und dann beginnt eine 54 stündige "Wanderung", die folglich zwei Tage später um 8:00 morgens endet und über 40 Meilen (ca. 64,4 km) geht, dabei gibt es großzügigerweise eine einzige Pause von vier Stunden, in denen maximal zwei Stunden geschlafen werden kann. Beladen sind die Rekruten mit ca. 20 kg pro Person und zusätzlich müssen abwechselnd weitere Teile wie Munitionskästen getragen werden, Zweikampfübungen werden unterwegs abgehalten (mit umwickelten Schlagstöcken), es sind 10 m hohe Wände zu überklettern und über Seile über Wasserhindernisse zu balancieren (mit Munitionskästen von je zwei Personen gehalten). Es ist sicher nicht nur mir, sondern auch den Lesern dieses Berichts ein Rätsel, wie alle 540 weiblichen und alle 540 männlichen Rekruten diese Strapazen überstehen konnten. Natürlich werden die Rekruten dabei medizinisch überwacht, denn das Corps legt logischerweise keinen Wert darauf, eine Schadenersatzklage wegen eines vermeidbaren Erschöpfungstodes angehängt zu bekommen. Eigenartig ist in diesem Zusammenhang eigentlich nur, daß Frauen beim US-Militär (noch?) nicht an der Frontlinie zum Kampf eingeteilt werden dürfen, obwohl diese Rekrutinnen dieselbe gnadenlos harte Ausbildung "genießen", wie ihre männlichen Kameraden. 


 

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